«Wochendiagnose: Romantik-Falle»
Der Abstimmungsdiskurs zum 14. Juni wird national und kantonal zu den unterschiedlichsten Themen geführt. Im Kern geht es um neo-romantische Illusionen.
Eine behagliche Schweiz mit weiten Wiesen und wenig Menschen, eine Rhein-Aue mit Wald und Vogelgezwitscher, Kirchtürme mit lauschig nistenden Tauben: Den Initiativen zur Wachstumsbremse, zur grünen Klybeck-Halbinsel oder zu den Taubenschlägen ist die Sehnsucht nach Idylle gemein.
Richard Wagner hat dieses Ideal im Siegfried-Idyll verewigt. Im Konzertsaal hat das Meisterwerk von 1870 seither seinen festen Platz, und daran soll auch nicht gerüttelt werden. Politisch waren die unter anderem von Nietzsche inspirierten völkisch-verklärten Märchentöne allerdings nicht unproblematisch, wie die deutsche Geschichte der folgenden Jahrzehnte zeigen sollte.
Im Hier und Jetzt taugt das Idyll ebenfalls nicht als politischer Wegweiser. Als Gesellschaft mit hohem Altersquotient sind wir zur Aufrechterhaltung unserer Versorgung auf Zuwanderung angewiesen, und als eines der höchstvernetzten Länder braucht die Schweiz rechtlich stabile Beziehungen zu den europäischen Nachbarn.
Das Bevölkerungswachstum ist bewältigbar, wenn wir bestehende Siedlungsräume intelligent verdichten. Die Städte haben dabei eine wichtige Rolle, die wir in Basel unter anderem auf den sogenannten Transformationsarealen wahrnehmen können. Diese heute bereits weitgehend versiegelten Flächen sollten wir deshalb nicht für idyllische Illusionen blockieren.
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